Gedächtnisrhizome

By | 16 Juni 2016

Projektleiter: Dr. habil. Joanna Godlewicz-Adamiec, Dr. habil. Paweł Piszczatowski (Universität Warschau)

 

Laut Deleuze und Guattari haben die Kultur, die Sprache, das Wissen und das Gedächtnis eine rhizomorphe Struktur. Wenn man dieses Kulturmodell an das Konzept des Kulturgedächtnisses von Jan Assmann bezieht, ergibt sich daraus ein geradezu unendliches Verknüpfungspiel von dichotomen Kulturprägungen, die in ein Gefüge von gegenseitigen Beziehungen und Determinationen gehören, welches die strukturalistischen bipolaren Zuordnungen von Diachronie und Synchronie dermassen außer Kraft setzt, dass ein weit angelegtes Forschungsgebiet der komparatistischen Herangehensweise an Kulturphänomene eröffnet wird, in dem tradierte Denk- und Darstellungsmuster der alten Epochen und die Herausforderungen des postmodernen Zeitalters in ihrem Wechselverhältnis neu betrachtet werden können. Das Gedächtnis in seiner kulturgeschichtlichen Form, getragen durch die Formen der intertextuellen Aneignung und Transformation wird somit zu einem zeitübergreifenden Phänomen einer überdauernden Kontinuität der Kulturerscheinungen, die nicht einer chronologischen Ordnung verpflichtet ist, sondern scheinbar extreme Gegensätze zu verbinden sucht und gerade in der Uneinheitlichkeit der Weltbilder das kryptographisch Kohärente entdeckt.

Das Projekt setzt sich zum Ziel, diverse Formen von Inhalts- und Formtransmissionen in der europäischen und außereuropäischen Kultur seit dem Mittelalter bis in die Zeit der unmittelbaren Gegenwart zu untersuchen und diese als rhisomatische Erscheinungen eines kollektiven Kulturgedächtnisses zu betrachten.

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